Da Rast was auf uns zu:

Eine kleine Geschichte des 3D - Bewegtbildes

 

Der Traum, die Zweidimendionalität der Kinoleinwand zu durchbrechen, ist fasst so alt wie das Kino selbst:

Schon die Gebrüder Lumiere versetzten ihr Publikum Ende des vorletzten Jahrhunderts in helle Aufregung, als sie einen Zug beinahe frontal ins Bild hinein fahren ließen. Bei den ersten Vorführungen von Die Ankunft eines Zuges (L'Arivée d'un Train, 1896) sprangen die Besucher vor Schreck von ihren Stühlen. Dazu bedurfte es allerdings noch keiner ausgefeilten 3-D-Technik, die kinematographisch ungeschulten Zuschauer waren einfach überrumpelt. Eine Sensation! Sie bildet gleichsam die Urszene für sämtliche Horror-, Action- und Spannungsfilme, mit denen das Kino sein Publikum noch Dekadenspäter in Atem hielt.

Ein halbes Jahrhundert nach dem einfahrenden Zug der Lumieres aber hatte das Kino auf einmal erheblich an Attraktivität eingebüßt. Eine kleine Apparatur namens Fernsehen warb den großen Lichtspielhäusern das Publikum ab. Hollywood musste sich etwas einfallen lassen, um dem Publikumsschwund zu begegnen. So entpupte sich die 3-D-Technik Anfang der fünfziger Jahre als Segen. Zogen stereoskopische Filme doch die Zuschauer gleichsam ins Geschehen hinein, und das auch noch in Farbe:

Da rast was auf uns zu, da greift jemand nach uns, da springt uns etwas an die Gurgel! Ein Erlebnis, das den Abend vor der Schwarz-Weiß-Glotze verblassen ließ, selbst wenn man dafür sperrige Rot-Grün-Brillen aus Pappe tragen musste.


Es waren nicht so sehr die Geschichten dieser ersten Welle von 3-D-Filmen, sondern die Schockeffekte darin, die für Furore sorgten, Der Horror schien jetzt direkt von der Leinwand hinab auf Publikum zu wirken. Der Zuschauer glaubte zum Beispiel selbst durchs Gruselkabinett von André de Toths Das Kabinett des Professor Bondi (House of Wax, 1953) zu irren; er fühlte die mörderischen Klauen in Alfred Hitchcocks Bei Anruf Mord (Dial M for Murder, 1954) quasi auf den eigenen Schultern; und der unheimliche Kiemenmensch aus Jack Arnolds Der Schrecken vom Amazonas (The Creature from the Black Lagoon, 1954) kroch einmal aus seinem wässrigen Versteck direkt in die Sitzreihen der Kinos.

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